Baby, Familie, Kind

Bin ich eine gute Mutter?

Situationen, die uns an unsere Grenzen bringen und die bohrende Frage danach eine gute Mutter zu sein…

Es ist Samstagvormittag oder sollte ich besser sagen Rushhour im Supermarkt? Ein Kleinkind brüllt und eine junge Mutter steht daneben.  Diese Mutter bin ich, Jana, 24 Jahre alt und schuldig. Ich habe doch tatsächlich meinem zweijährigen Kind verboten alleine weiter zu laufen und setzte es in den Einkaufswagen, nachdem es unzählige Male weg gerannt ist und mir der viele Trubel im Geschäft nicht überschaubar genug war. Nun stehe ich da und versuche mein Kind zu beruhigen und gleichzeitig den Einkauf aufs Band zu legen – der Puls steigt und die Leute hinter mir werden ungeduldig und verdrehen die Augen.

Warum zweifeln wir Mütter so an uns?

Wann genau hat das angefangen oder war es immer schon so, dass Mütter in den Augen Anderer vieles falsch machen? Und warum nehme ich es mir so zu Herzen, was andere über meine Erziehung denken? In Zeiten von Schlagwörtern wie „unerzogen erziehen“, „ attachement parenting“ und „autoritärer Erziehung“ findet man sich zwischen täglichen Ratschlägen aus dem eigenen Umfeld und daraus resultierenden Unsicherheiten wieder. Hätte ich mein Kind einfach laufen lassen sollen und selber bestimmen lassen? Hätte ich es vielleicht von Anfang an gegen seinen Willen in den Wagen setzen sollen? Was ist richtig? Gibt es ein „richtig“ in der Erziehung von Kindern? Mein Gefühl sagt mir, dass es dafür keine Antwort gibt.

Kein Erziehungsratgeber, kein Erziehungstrend und kein schlauer Ratschlag aus dem Umfeld ist Universal auf jedes Kind in jeder Situation anzuwenden. Jedes Kind ist ein Individuum und jede Familie hat eine andere Lebensweise. Ich entscheide jeden Tag aufs Neue aus dem Bauch heraus und sehr spontan. Manchmal sitze ich abends da und denke mir, dass ich in der Situation vorhin aber besser hätte reagieren können und manchmal klopfe ich mir selber auf die Schulter, wenn ich meine Kinder ansehe. Ich mache scheinbar eben doch einiges richtig, ohne, dass ich nach einem Konzept erziehe und einzig allein damit, dass ich auf mein Bauchgefühl vertraue. Und dennoch stehe ich an der Kasse und zweifele an mir ausgelöst durch die Blicke der Anderen. Wieso ist das so? Liegt es daran, dass ich eine junge Mutter bin, die, auch heutzutage, immer einen schwierigeren Stand hat, als eine ältere Mutter und mit Vorurteilen zu kämpfen hat? Bin ich unsicherer als andere Mütter? Oder geht es jeder Mutter so?

Dann ist die nächste Frage, was der Grund dafür ist?

Jede Mutter, die ihr Bestes gibt, hat doch jedes Recht mit Selbstbewusstsein und Sicherheit ihrem Umfeld gegenüber zu treten und sollte so gefestigt sein, dass sie sich nicht jeden blöden Spruch zu Herzen nimmt. Die Realität sieht nur leider ganz anders aus. In der Realität werden Mütter bewertet, beurteilt, kritisiert und können prinzipiell nichts richtig machen. Wie viele Menschen schauen eine Mutter an und denken: „ also wären das meine Kinder, dann hätte ich die besser im Griff!“ oder „ wie kann sie nur?!“ und das letzte Zitat ist unendlich fortzusetzen. Wie kann sie nur so früh arbeiten? Wie kann sie nur so lange zu Hause bleiben? Wie kann sie nur ihrem Kind vegetarisches Essen kochen? Wie kann sie nur so lange stillen? Ja, wie kann sie nur? Sie kann! Denn sie alleine ist die Mutter. Sie alleine kennt ihr Kind am besten und sie alleine liebt es über alles.

Wie viele Eltern reagieren in der Öffentlichkeit auf das Verhalten ihrer Kinder anders, als sie es zuhause täten? Einfach aus dem Glauben heraus, dass es von ihnen erwartet wird. Dass das nicht funktioniert und die Kinder nur verwirrt und die Eltern frustriert, muss nicht weiter erwähnt werden, oder?

Wir Mütter sind dabei nicht freizusprechen vom Verurteilen anderer Mütter – Momshaming genannt. Und da fasse ich mir doch nur fassungslos an den Kopf. Wir sitzen alle im selben Boot. Stehen alle morgens übermüdet auf, um die Kinder rechtzeitig, aber überhastet, in den Kindergarten zu bringen und dem Beruf nachzugehen oder aber den ganzen Tag 100% für sein Kind zuhause da zu sein. Egal wie genau unsere Tage aussehen, wir geben unser Bestes für das Beste in unserem Leben – unsere Kinder.  Und das haben wir alle gemeinsam.

Anstatt also im Supermarkt an der Kasse zu stehen und die Mutter mit dem schreienden Kind mit einem Augenrollen oder gar einem Kopfschütteln zu bewerten, sollten wir ihr im Vorbeigehen gedanklich auf die Schulter klopfen.

Alles Liebe und bis bald, eure Jana

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